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Lesen gefährdet die Dummheit!

Kanzlerdämmerung

Letzte Aktualisierung: 03.09.2010

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…die eigentlich vollkommen überflüssig wären, wenn jemand auf mich hören würde. Aber es hört ja keiner.

Das was euch jetzt bevor steht, habe ich doch schon seit fast zehn Jahren hinter mir. Hier ein Rückblick:

Ende Februar 2000 wurden meine Bankkonten platt gemacht und da stand ich plötzlich fast mittellos auf der Straße. Nicht mit dem nackten Arsch, sondern komfortabel in einem 5 Jahre alten Opel Corsa, der immerhin schon 380.000 km auf dem Tacho hatte und rechtlich gesehen immer noch meiner Hausbank gehörte.

Weil ich zu diesem Zeitpunkt aber wichtige Korrespondenz mit Microsoft und der Deutschen Bank losgetreten hatte, beschloss ich, die Dinge einfach laufen zu lassen, weil sich das meiste ohnehin von selbst erledigt.

So tankte ich noch mal voll, zahlte provisorisch, aber rechtssicher mit einem mechanischen Kreditkartenabzug, und besuchte ein paar meiner Leser, die im gesamten deutschen Sprachraum verstreut sind. Hier bekam ich mal ein paar Hunderter, gelegentlich auch mal ein paar Tausender, und wenn das wirklich nicht ging, dann doch mindestens eine warme Mahlzeit oder einen Kanister Benzin.

Ich hätte mir jetzt einen Esbitkocher besorgen und meinen Kofferraum mit Notvorräten der Bundeswehr vollstopfen können, worauf ich aber dankend verzichtet habe. Ich habe jeden Tag in vernünftigen Restaurants in der Preislage von 10 Euro bis 30 DM gegessen und mir jeden Abend zum Abwinken eine verdiente Flasche Wein und ein paar Bier gegönnt. Und meistens in Hotels der Preisklasse 30-50 Euro übernachtet. Out-Door-Einsätze kommen bei mir nicht mehr in Frage.

Als mein Auto schließlich im Alter von 7 Jahren mit 680.000 km (sechshundertachtzigtausend) den Geist aufgab, finanzierte mir ein Leser einen Leihwagen, weil ich zu der Zeit gerade einen Rückruf von Bundeskanzler Schröders Leibwächter bekommen hatte. Offenbar schien sich er oder seine Frau für meine Bücher zu interessieren. Leider kam es nicht zu einem Treffen, weil so etwas von kleinen Kommunikationsmaulwürfen oder auch von ausgewachsenen Stasi-Schweinen verhindert wird.

Ostern 2003 hat ein bekanntes Großunternehmen versucht, mir ein Strafverfahren wegen angeblicher Erpressung an den Hals zu hängen. Dafür habe ich drei Monate unschuldig in U-Haft gesessen. Ein rechtskräftiges Urteil sowie eine Haftentschädigung stehen heute noch aus. Mehr darüber demnächst in meinem Artikel Google Justice bzw. Das Jüngste Gericht

Danach war es mir nicht mehr möglich, komfortabel in einem Leihwagen herumzukutschieren, deshalb habe ich mich anschließend dauerhaft in Berllin niedergelassen, beziehe dort Hartz 4 und schaukele mir den ganzen Tag die Eier in der S-Bahn. Meine ganz persönliche Berlin-Blockade. Eingesperrt wie früher in der DDR, nur auf höherem Niveau.

Ich besitze noch diese Homepage hier, einen USB-Stick, ein Handy mit einer Festnetz-Flatrate, einen Autorenvertrag und die Klamotten die ich am Leibe trage. Mein Laptop Bj, 99 befindet sich zur Zeit in Kriegsgefangenschaft (also im Pfandhaus). Und natürlich das Wichtigste: Google steht mir fast überall kostenlos zur Verfügung. Ohne Google wäre das alles hier überhaupt nicht möglich gewesen!

Diese Art der Krisenbewältigung ist sicherlich nicht für jeden nachvollziehbar, aber man kann daraus folgende Schlussfolgerungen für Jedermann ziehen:

Der Mensch ist kein Eichhörnchen, sondern er braucht jeden Tag frische Luft, frisches Wasser, frisches Essen und somit frisches Geld. Es spricht ja nichts gegen eine vernünftige Vorratshaltung, aber man kann es auch übertreiben. Schauen wir uns mal das armselige Leben unseres Goldhamsters an:

Er lebt Tag für Tag von Dosenfutter, das er auf einem Campingkocher warm macht, oder wenn das Gas zu teuer ist, eben mit einer Kerze. Damit die Vitaminzufuhr stimmt, züchtet er auf seinem Balkon Gemüse. Früher hatte er auch noch ein paar Hühner gehalten, aber seitdem diese bei der letzten Vogelgrippe von Bundeswehrsoldaten gekeult wurden, ist er Vegetarier.

Nur von seinem Allerheiligsten wird er sich niemals trennen, von seinem ach so geliebten Goldklumpen. Jeder Tag starrt er auf den Monitor, wann denn der Goldpreis endlich die magische Marke von 1000 Dollar überspringt.

Wagen wir hier mal eine Prognose: Er wird diese Marke ganz sicher irgendwann überspringen, jedenfalls wenn die Idioten hier so weiter machen. Er wird auch irgendwann die satanische Marke von 6666 erreichen. Bis dahin hat sich die Krise soweit verschärft, dass so langsam die ersten begreifen, dass man Gold nicht essen und nicht trinken kann. Jetzt hört unser steinreicher Goldhamster plötzlich auf böse Stimmen, die ihm raten, spätestens jetzt zu verkaufen.

Leider steht dieser arme Trottel mit diesem Geheimtip nicht allein da, sondern alle wollen jetzt ihr Gold loswerden. Nur bekommen sie diesmal von ihrem Broker die Auskunft:

Ein Marktpreis konnte nicht ermittelt werden, da das Angebot die Nachfrage übersteigt. – Transaktion abgebrochen

Jetzt ist der Goldpreis da, wo er schon lange hingehört auf Ground Zero.

Pech gehabt, Ihr hättet eben auf mich hören sollen, aber wer nicht hören will, muss fühlen.

Euer Michael Köhne

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