08.04.09 Bitte beachten Sie auch den verspäteten “April-Scherz” am Ende des Textes.
12.04.09 Dieser Artikel wurde um wichtige wissenschaftliche Details ergänzt. Studierte Wirtschaftsexperten lesen ihn bitte nochmal. Und nochmal, bis ihr es endlich kapiert habt:
Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?
Wer ein arbeits- und leistungsloses Zinseinkommen beziehen will, müsste erstmal begründen, warum und weshalb. In der wissenschaftliche Fachliteratur wird hier folgendermaßen argumentiert:
Die notwendige Bedingung für die Existenz eines positiven Realzinses ist die Zeitpräferenz. Darunter versteht man den Umstand, dass einem 100 Euro heute lieber sind als 100 Euro in drei Monaten, weil wir unser tägliches Brot schließlich heute essen müssen. Für natürliche Personen kann man also einen Zins als Prozentzahl durchaus begründen.
Damit der Zins aber auch als Geldbetrag ausgezahlt werden kann, muss auch die hinreichende Bedingung erfüllt sein: Es müssen entweder Ersparnisse existieren oder es muss etwas produziert und mit Gewinn verkauft werden. Fachterminus: Die Mehrergiebigkeit zeitraubender Produktionsprozesse muss erfüllt sein.
Damit ist gemeint, dass nur durch die Kombination von menschlicher Arbeit mit natürlichen Produktionsmitteln ein Zins erwirtschaftet werden kann. Zinsen die einfach so aus der Luft gebucht werden, sind am Ende uneinbringlich, die Wirtschaft befindet sich dann in dem Zustand, wie es zur Zeit der Fall ist.
Wenn der Zins also aus dem Gewinn bezahlt werden kann, ist an dieser leistungslosen Einkommensquelle auch nichts auszusetzen. Wir haben uns aber an den perversen Umstand gewöhnt, dass die Banken dreisterweise auch dann Zinsen und Zinseszinsen kassieren, wenn die Gewinne ausbleiben. Die Opfer werden solange abgemolken, wie noch Blut fließt und dann auf die Straße gesetzt. Das entspricht der mathematischen Logik der finanziellen Atombombe und sollte eigentlich verboten werden.
Das alles gilt für Privatpersonen mit begrenzter Lebensdauer, aber nicht für den Staat als Ganzes. Es gibt nämlich keinen vernünftigen Grund, die Interessen zukünftiger Generationen systematisch geringer einzuschätzen als die eigenen. (So ein interpersonaler Nutzenvergleich ist ein klarer Verstoß gegen die Axiome der neoklassischen Wohlfahrtstheorie, aber das scheint die Kollegen wohl in keiner Weise zu beeindrucken.) Für die Verzinsung der Staatsschulden ist weder die notwendige noch die hinreichende Bedingung erfüllt!
Es wird einfach behauptet, dass der Staat sich bei einer „Unabhängigen Notenbank“ (indirekt) verschulden und dafür auch noch Zinsen zahlen muss. Damit hier keiner mehr durchblickt, werden hier jede Menge Nebelkerzen geworfen. Nur so viel steht fest: Weil der Staat von Natur aus mehr Geld ausgibt als er einnimmt, muss er deshalb seine Bürger mit Steuern und Sozialabgaben ausbeuten. Wie wir noch sehen werden, geht das auch anders.
Weil es aber vollkommen zwecklos ist, hier durch politische Initiativen etwas ändern zu wollen, muss jemand anders eine sanfte Alternative zu dem gewaltsamen Blutgeld anbieten, natürlich im Rahmen bestehender Gesetze. Dazu beginnen wir mit einem Kindermärchen:
Das Urmel schenkt demnächst jedem Kind zu seinem 7. Geburtstag eine Murmel. Das ist ein Kinder-Handy mit dem man murmeln und simsen kann.
Das funktioniert nur, wenn es auch mit einem Guthaben aufgeladen ist. Kinder lernen auf diese Weise spielend den Umgang mit Zahlen und per SMS zu be zahlen. So werden sie zur Sparsamkeit erzogen genau so wie wir es gewohnt sind. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass junge Erwachsene sich verpflichtet fühlen zu arbeiten und Geld zu verdienen.
Wenn es sich erst herumgesprochen hat, wie cool es ist, kleine und große Geldbeträge hin- und her zu murmeln, werden sich bald auch die ersten Erwachsenen für dieses Spielzeug interessieren. Dann gelten ganz andere Spielregeln, die Wirtschaft gerät dann in den Zustand der finanziellen Supraleitfähigkeit:
Studenten bekommen entweder Taschengeld von den Eltern oder Bafög vom Staat, dazu können sie sich selber etwas hinzuverdienen. Kredite bekommen sie nur in Ausnahmefällen, z.B. für den behindertengerechten Umbau einer Wohnung oder eines Autos. Wer sein Studium abgeschlossen hat, bekommt eine ausgedruckte notariell bestätigte Excel-Datei zugeschickt, aus der hervor geht, wie viel das Studium gekostet hat.
Jetzt kann der Berufsanfänger entweder anfangen zu arbeiten, solange bis sein Saldo ausgeglichen ist. Er kann aber auch sein Konto noch weiter überziehen, so lange er will, denn es gibt ja keine Bankangestellten und auch keine Google-Mitarbeiter, die das kontrollieren könnten oder irgendwelche Probleme damit hätten.
Damit kommen wir zum eigentlichen Thema: Flatrate: Telefonieren, Chatten, Saufen… oder einfach das Konto überziehen, ohne Ende!
Wer sich selbständig machen will, braucht dazu eine professionelle Betriebs- und Geschäftsausstattung. Die finanziert man in Zukunft mit einem zinsfreien Kredit, für den eine jährliche Flatrate bezahlt werden muss.
Weil mit dieser Kreditvergabe keinerlei Opportunitätskosten verbunden sind, ist auch der volkswirtschaftlich optimale Preis, also der Geldbetrag, der sich aus dem Zins errechnet, gleich Null. Weil das Urmel aber seine Kosten decken muss und auch noch einen Gewinn erzielen soll, wird die jährliche Flatrate fällig.
Die Höhe dieser Grundgebühr wird hier zunächst willkürlich mit einem Promille des Überziehungsrahmens festgelegt. Weil demnächst auch noch andere Anbieter einen vergleichbaren Service anbieten, werden sich unterschiedliche Marktpreise bilden, die sich an den Fixkosten orientieren, und deshalb „flat“ sind. (remember: The Future is Flat!)
Weil in diesem System die Geldbeträge immer nur von einer auf eine andere Datei übertragen werden, ist der Gesamtsaldo, also die “Geldmenge” im monetaristischen Sinn, stets gleich Null. Es verschwindet nichts, und es entstehen auch keine ungedeckten, gefälschten Guthaben aus dem Nichts, die Inflation mit sich bringen würden.
Jeder Existenzgründer schöpft sich somit sein eigenes Geld selbst, ohne dass er oder seine Bank sich das anderswo gegen Zinsen ausleihen müsste. Jeder ist somit im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Verhältnisse stets zahlungsfähig. Wer sein Marktpotential noch nicht ausgeschöpft hat und seinen Betrieb vergrößern will, beantragt einfach eine höhere Flatrate und fertig.
Wenn sich also jemand einen neuen Firmenwagen zulegt, so steigt bei ihm der Negativsaldo und bei dem Autohändler entstehen entsprechende Einnahmen. Sonst passiert hier absolut gar nichts. Es gibt keinen Bankangestellten und auch keinen Google-Mitarbeiter, der hier Probleme machen könnte. So simpel und einfach ist das. Und weil das so simpel und einfach ist, haben die Leute, die BWL studiert oder eine Banklehre absolviert haben, die größten Probleme damit, es zu kapieren.
Wenn Google diesen Service als erster anbietet, könnte es im Prinzip mit konstanten Skalenerträgen bis in alle Ewigkeit expandieren, das wird aber wahrscheinlich nicht geschehen. Schließlich wollen wir das bisherige Verbrecher-Monopol der Notenbanken nicht durch ein neues Google-Monopol ersetzen, auch wenn es ganz bestimmt „nichts böses tut.“
Im Prinzip könnte jetzt auch die Staatsfinanzierung über ein eigenes staatliches Flatrate-Konto organisiert werden. So könnte man theoretisch die Gesamtheit aller Staatsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden in einem konsolidierten Rechnungswesen einfach so durchbuchen. Es gibt dann keine Finanzschmarotzer mehr, die uns über 95 % des an sich möglichen Wohlstandes wegfressen. Dann sind auf einmal alle Finanzlöcher geschlossen und die Staatsverschuldung ist verschwunden!
Der Euro bleibt als Währungseinheit natürlich erhalten, aber die EZB wird arbeitslos. Ähnliches wird in den USA und in Japan passieren, dann wird es Zeit, darüber nachzudenken, die Wechselkurse einzufrieren und eine Währung mit einem neuen Namen herauszugeben.
Ursprünglich hatten wir an den KING gedacht, die Abkürzung für das komplementäre Internet-Gelt (korrekt mit t geschrieben). KING klingt englisch, ist aber deutsch und kann ander als der Euro in allen Sprachen gleich ausgesprochen werden. Wenn das neue Gelt aber von Google herausgegeben wird, muss die Währungseinheit natürlich mit einem G beginnen. Wie wärs mit G-Point? Dann erlebt die Menschheit mit dem großen G ihren finanziellen Orgasmus:
Wenn der Staat keine Zinsen mehr zahlen muss und grenzenlos zahlungsfähig wird, können fast alle Steuern abgeschafft werden. Dann wird jeder Arbeiter mit dem vollen Tauschwert seiner Arbeitszeit bezahlt. Weil man sich dann um eine „sichere“ Altersversorgung auch keine Sorgen mehr zu machen braucht, können wir alle mit spätestens 35 in Rente gehen, wenn wir das wollen.
Das gesamte Finanzunwesen wird dann vollkommen überflüssig. Es wird auch keine Versicherungen mehr geben, weil dann auch Privatleute größere Geldschäden immer selbst bezahlen können. Insbesondere hat es dann niemand mehr nötig, Goldreserven für den Notfall zu bunkern.
Alles Gold in den Tresoren der Notenbanken kommt dann auf den Markt, der Goldpreis wird auf den reinen Gebrauchswert sinken. Dann können wir es uns leisten, alle Gegenstände, die wir vorher alle paar Jahre mit giftiger Rostschutzfarbe angestrichen haben, ein und für alle mal zu vergolden! Google hätte dann mit der Golden Gate Bridge die eindrucksvollste Haustür auf der Welt!
Zum Schluss noch ein April-Scherz.
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