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Kanzlerdämmerung

Letzte Aktualisierung: 05.09.2010

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Flatrate-Banking

Die finanzielle Volljährigkeit

Die Kreditkarte für jedermann – ohne Bankkonto und Bonitätsprüfung

Flugmaschinen, die schwerer sind als Luft, sind unmöglich.
(Binsenweisheit aus dem 19. Jahrhundert)

(MK) Die so genannte DDR war zu 100 % kommunistisch. Deshalb gab es dort immer genug Geld, wofür man sich aber nichts Gescheites kaufen konnte. Deshalb haben die DDR-Bürger heimlich Westgeld benutzt, was offiziell verboten war. In der BRD ist es nicht ganz so schlimm. Unsere „soziale Marktwirtschaft“ ist zu mehr als 50 % kommunistisch. Deshalb ist hier alles etwas besser, aber nichts ist richtig gut. In der BRD gibt es zwar fast alles im Überfluss, aber was an allen Ecken und Enden fehlt, ist das Geld.

Ein Autoschlosser, der seinen Computer reparieren lassen will, muss für die Arbeitsstunde locker 50 Euro hinlegen, er selbst verdient für seine genauso anspruchsvolle Arbeit aber maximal 10 Euro pro Std. netto. Von diesem Nettolohn muss er Rechnungen bezahlen, in denen noch mal rund 50 Prozent Verbrauchsteuern und Zinsen enthalten sind. Das reale Austauschverhältnis von zwei gleichwertigen Handwerkerstunden ist in Deutschland mittlerweile auf 1 zu 10 gesunken, das heißt für einen Euro, den man ausgibt, muss man selbst 10 Euro verdienen. Irgendwann wird das den Lohnsklaven, Zinsknechten und Steuermelkkühen zu viel (bzw. zu wenig), das System bricht zusammen. Es sei denn…

…die Leute fangen plötzlich an, keine direkten Barzahlungen und Überweisungen mehr auszuführen, sondern sie benutzen wie damals in der DDR einfach ein ausländisches Zahlungsmittel, das es vorher noch nicht gab. Weil wir in der globalisierten Welt von heute aber keine reichen Freunde im Westen haben, muss man sich zunächst vorstellen, dass „Außerirdische“ plötzlich eine neue Kreditkarte anbieten, die jeder ohne Bankkonto und ohne Bonitätsprüfung einfach so bekommt. Wenn man dieses System erst mal verstanden hat und die Vorteile für jeden offensichtlich sind, muss als nächstes die Frage beantwortet werden, wie lange wir denn noch auf diese „Außerirdischen“ warten sollen, oder ob wir dieses neue „Westgeld“ nicht einfach selbst einführen können. Schließlich wissen wir doch mittlerweile, dass wir selbst die wahren „Außerirdischen“ sind.

Mit dem neuen Westgeld lösen sich nämlich alle finanziellen Probleme in Luft auf. Dieses neue Gelt, das nach der nächsten Rechtschreibreform übrigens vollkommen korrekt mit t geschrieben wird, ist nämlich zinsfrei. Ausprobieren kann man das heute schon beim Monopoly spielen: Wenn man den Zins abschafft und alle Konten ohne Limit überzogen werden dürfen (semantisch korrekt: nicht können, sondern dürfen ist gemeint!), verschwindet der Geldmangel, es ist für alles genug da. Es gibt dann keine Zahlungsrückstände oder Ausfälle mehr. Alles und jedes, was betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, ist dann auch finanzierbar!

Hier eine Nachhilfestunde für akademisch gebildete Wirtschafts- und Finanzexperten. Alle anderen mit gesundem Menschenverstand können sich diese Lektion sparen: „Wenn die Geldmenge zu schnell steigt, gibt es zwangsläufig Inflation.“ Das behaupten jedenfalls der Nobelpreisträger Milton Friedman und alle konservativ-liberalen Geldtheoretiker.
Diese infantile Theorie stimmt jedoch nur, wenn die Notenbank, oder wer auch immer, bunt bedrucktes Papier mit dem Hubschrauber verteilt, und die Bevölkerung glaubt, dass das echtes sei Geld. In allen anderen Fällen, in denen mit neuem Geld neue Güter nachgefragt werden, die sonst liegen geblieben wären, steigt mit diesem zusätzlichen Geld parallel die Güternachfrage und somit das effektiv wirksame Güterangebot.
Damit ist gemäß der Quantitätsgleichung von Irving Fisher das Thema Inflation endgültig vom Tisch, ohne hier noch auf weitere Theorien wie z.B. die von John M. Keynes oder Joseph A. Schumpeter eingehen zu wollen.

Der Autor dieses Artikels ist studierter Diplomvolkswirt und hat in den Neunzigern als privater Repetitor an der Uni Saarbrücken Tausende von Studenten in Mikro- und Makroökonomie fit für das Examen gemacht. Er hat deshalb vor einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Fachwelt keine Angst, was allerdings nicht auf Gegenseitigkeit beruht.

Bevor wir uns ernsthaft diesem anspruchsvollen Thema zuwenden, erzählen wir hier zum leichteren Verständnis erstmal ein Märchen:

Es war einmal ein Wandersmann, der hatte 1000 Euro Bares im Rucksack. Weil er Angst hatte, ausgeraubt zu werden, fragte er seinen Gastwirt, ob dieser das viele Geld sicher für ihn aufbewahren könne. Zinsen wollte er keine haben, er wollte nur das Geld bei seiner Rückkehr in drei Monaten sicher zurückhaben. Der Wirt willigte ein und versteckte den 1000-Euro-Schein in einem Geheimfach.
Von diesem Gespräch hatte der Kürschner mitbekommen. Er fragte deshalb den Wirt: “Deine Frau war doch immer so scharf auf einen Pelzmantel, den kannst du ihr doch jetzt damit kaufen.” “Aber ich muss das Geld doch wieder zurückgeben, ich kann doch damit nicht deinen Pelzmantel bezahlen!” antwortete der Wirt. “Den bekommst du schon rechtzeitig zurück“, versprach der Kürschner und beide wurden sich einig.
Nachdem der Wirt den Pelzmantel bezahlt hatte, ließ der Kürschner seine Werkstatt gründlich renovieren. Nachdem er die Handwerker und das Baumaterial bezahlt hatte, veranstaltete der Gastwirt ein frohes Fest. Die Handwerker haben dort kräftig gezecht und den größten Teil ihres Lohnes versoffen. Anschließend hatte der Gastwirt mehr als 1000 Euro Kleingeld in der Kasse und wechselte damit den 1000 Euro-Schein vom Kürschner zurück.
Nach drei Monaten kam der Wandersmann in das Dorf zurück. Der Gastwirt präsentierte ihm sofort den immer noch fast druckfrischen Geldschein, aber der ursprüngliche Besitzer wollte ihn gar nicht zurück haben. “Es gibt draußen nämlich gar keine 1000-Euro-Scheine, das ist Falschgeld”, sagte er und riss den Tausender kaputt.

Was lernen wir daraus? Um ein kleines Wirtschaftswunder in Gang zu setzen, braucht man kein Geld. Schon gar kein Zentralbankgeld, sondern wenn wir wollen, machen wir uns unser eigenes Geld einfach selbst, also z.B. Zigaretten, Kugelschreiber oder Kaugummi. Oder wir drucken uns einfach eigene Gutscheine, das ist vollkommen legal.

Insbesondere benötigt man für ein stabiles Geldsystem keine Edelmetalle oder sonstige “Währungsreserven”. Wer das nicht kapieren will, soll doch sein ganzes Geld in Gold umtauschen und zusehen, wie er es wieder los wird, wenn er es wirklich braucht (zum Essen, trinken, tanken usw.)

Wichtiger als ein werthaltiges Geld ist ein idiotensicheres Zahlungsmittel, das auch bei einem Stromausfall sicher funktioniert.

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