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Letzte Aktualisierung: 08.09.2010

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Flatrate-Banking

Vom Kerbholz zum Flatrate-Banking

Finanzierung im Hochmittelalter und im Altertum

(MK) Früher, als die Löhne noch in bar ausgezahlt wurden, gab es einen festen Bargeld-Koeffizienten. Das war der prozentuale Anteil der umlaufenden Bargeldmenge an den insgesamt auf Konten verbuchten Geldbeträgen. Die Banken konnten deshalb im Prinzip immer nur das Geld ausleihen, das andere gespart hatten. Sie konnten zwar jeden einzelnen Geldschein mehrfach ausleihen, aber nicht beliebig oft. Es musste stets ein gewisser Prozentsatz an Liquiditätsreserven gehalten werden. Heute ist das grundlegend anders:

Wenn jemand ein Auto kauft und per Kreditkarte oder per Überweisung zahlt, führt das nicht notwendigerweise an anderer Stelle zu höheren Barauszahlungen. Es gibt heute keinen Bargeld-Quotienten mehr, das Bargeld ist heute nur noch eine Restgröße, die man sich am besten wegdenkt, wenn man das Wesen der „volkswirtschaftlichen Saldenmechanik“ (Wolfgang Stützel) verstehen will. Wenn der Bargeldquotient gegen Null tendiert, wird dessen Kehrwert, der Kreditschöpfungsspielraum unendlich groß! Das war früher schon so, und das wird auch demnächst wieder so sein, wenn das Notenbankenmonopol verschwindet:

Zu diesem Zweck schauen wir uns zunächst an, wie in der Antike und im Hochmittelalter die Staatsfinanzen organisiert wurden: Wenn der Kaiser oder die Kirchenfürsten Gott einen großen Dienst erweisen wollten, haben sie eine Pyramide, ein riesiges Schloss oder eine gigantische Kathedrale bauen lassen. Je größer das Bauwerk, desto mehr Material wurde verbaut und desto mehr Arbeiter wurden beschäftigt und selbstverständlich auch bezahlt. Steuern waren in dieser Zeit vollkommen unbekannt. Zur Finanzierung brauchte der Staat oder die Kirche damals kein Geld, sondern die Ausgaben wurden auf einem Kerbholz verbucht, daher stammt heute noch der Ausdruck „der hat noch was auf dem Kerbholz“.

Das Kerbholz war ein amtliches Dokument, auf dem der Gegenwert sämtlicher erbrachten Güter und Leistungen eingeritzt und notariell bestätigt wurde. Anschließend wurde es der Länge nach gespalten. So entstanden zwei absolut fälschungssichere Holzurkunden, die wie keine zwei anderen Holzstücke sonst auf der Welt exakt ineinander passten.

Die Schuldseite des Kerbholzes war öffentlich einsehbar, so dass die Bürger stets prüfen konnten, wer sein Schuldkonto noch nicht ausgeglichen hatte. Die Habenseite wurde zerteilt und individuell an die einzelnen Gläubiger ausgezahlt. Jeder, dem ein solches Stück Kerbholz als Zahlungsmittel angeboten wurde, konnte dessen Echtheit beim Zunftmeister bestätigen lassen. Diese Teilurkunden zirkulierten damals im Prinzip so wie unser heutiges Geld, aber für die Herausgabe des Wechselgeldes wurden Gold- oder einfache Blechmünzen benötigt. Die meisten Menschen glauben deshalb heute noch, dass werthaltiges Geld stets durch Edelmetall gedeckt sein muss. Der tatsächliche Wert des Geldes wird aber nicht durch das Gold repräsentiert, (das man im Notfall auch nicht essen kann), sondern nur durch die Leistungsbereitschaft der Schuldner, die sich verpflichtet haben, ihre vertragsgemäßen Gegenleistungen pünktlich zu erbringen.

Der größte Vorteil des Holzgeldes gegenüber allen modernen Finanzprodukten ist so banal, dass heute kein einziger Mensch mehr den folgenden Satz kapiert, weil die Leute allesamt Bretter vor den Köpfen haben – und vor lauter Holz den Wald nicht mehr sehen:

Holz ist nicht knapp, sondern es wächst ständig nach, mehr als zum bezahlen per Kerbholz jemals benötigt wird. Die Kaiser und Könige, aber im Prinzip auch die freien Bürger, konnten damals soviel Geld ausstellen wie nötig, sie brauchten dazu kein Gold und auch keine Erlaubnis von irgendwelchen Geldwechslern oder Bankiers!

Im natürlichen Zustand ist das Geld genau wie die Luft lebensnotwendig zum atmen, aber es ist immer genug davon da. Geldmangel ist in einer natürlichen Geldordnung vollkommen unbekannt!

Inflation gab es im Geldwesen des Altertums und des Mittelalters auch nicht. Ein Taler von Kaiser Otto III, ausgestellt 1001, hatte exakt den selben Gegenwert wie ein Taler ausgestellt von Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1190. Das änderte sich erst, als ein paar besonders auserwählte Schlitzohren anfingen, professionell mit Wechselgeld zu handeln. Die Kerbhölzer existierten damals zwar als echte Urkunden, auf denen die tatsächlichen Schuldverhältnisse dokumentiert waren, aber im täglichen Leben wurde mit Goldmünzen bezahlt, die vom Kaiser herausgegeben wurden und deren Echtheit normalerweise nicht angezweifelt wurde.

Die schlitzohrigen Geldwechsler boten nun an, Goldstücke sicher im Tresor aufzubewahren und im Gegenzug Gutscheine auszustellen, die zum bezahlen praktischer waren als die schweren Goldmünzen. Aus diesen Wechsel-Gutscheinen ist das heutige, kapitalistische Geldsystem entstanden, das von Anfang an dazu missbraucht wurde, die Bürger über den wahren Inhalt der Gut- bzw. Geldscheine zu täuschen. Offiziell waren diese zwar zu 100 % durch Gold gedeckt, aber jeder wusste, dass die Schlitzohren ihre Goldbestände mehrfach Gutscheine ausliehen, so dass für zehn umlaufende Quittungen u.U. nicht ein einziges echtes Goldstück real vorhanden war. Wenn alle Bankkunden gleichzeitig ihre Guthaben gekündigt und auf sofortige Auszahlung bestanden hätten, wären die noblen Bankiers sofort zahlungsunfähig gewesen. An diesem globalen Betrugssystem hat sich bis heute nichts grundlegendes geändert, jeder Kontoauszug sowie jede Banknote ist bei Licht betrachtet nichts weiter als buntes Papier, das von den Menschen wie das Goldene Kalb angehimmelt wird.

Nachdem dieser Schwindel sich allgemein durchgesetzt hatte, wurden schließlich auch die Könige, der Kaiser und der Papst total vom Geld abhängig. Sie hatten ihre Souveränität abgetreten und wurden zu Handlangern der internationalen Geldhändler degradiert. Jetzt konnten die einstigen Herrscher ihren eigenen Staatshaushalt nicht mehr finanzieren! Das war der Untergang des Goldenen Mittelalters und der Beginn einer finsteren Zeit, die so ungefähr nach dem Dreißigjährigen Krieg mit den Pestepidemien ihren tiefsten Punkt erreichte. Dieser plötzliche wirtschaftliche bzw. finanzielle Absturz des Deutschen Reiches im Mittelalter ist heute noch symbolisch ausgerechnet in Straßburg deutlich sichtbar und von weit her zu erkennen: Das Straßburger Münster ist eine der großen gotischen Kathedralen, für die wie beim Kölner Dom eigentlich zwei symmetrische Türme vorgesehen waren. Dieser zweite Turm ist zwar im Ansatz zu erkennen, wurde aber niemals fertiggestellt. Ursache: der plötzlich einsetzende totale Geldmangel – nicht nur in Straßburg, sonder überall in Europa.

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