Mit der industriellen Revolution setzte zwar eine gegenläufige Bewegung ein, die zu dem scheinbaren Wohlstand in den heutigen Industrieländern geführt hat, aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der im Prinzip unendliche Reichtum, für den die Kaiser des Goldenen Mittelalters den Zugangsschlüssel hatten, für uns heute unerreichbar geworden ist. Es sei denn, es gelingt uns, das altmodische Kerbholz in digitaler Form wieder neu zu beleben:
Ein digitales Kerbholz ist nichts anderes als eine Festplatte, auf der sämtliche finanziellen Daten z.B. in einer Excel-Datei gespeichert und verrechnet werden können. Wir erinnern uns, ein Kerbholz ist ein banales Stück Holz, auf dem man beliebig hohe Umsatzzahlen verbuchen kann, Geldmangel gab es deshalb nicht. Heute ist nahezu unser gesamtes Geld auf digitalen Festplatten gespeichert, die ebenfalls genau so wie ein Stück Holz mit beliebig hohen Zahlen beschrieben werden könnten. Der gesamte Geldmangel, den uns die moderne Finanzindustrie hier vorgaukelt, ist in Wahrheit nur eine tragische Illusion! Im Prinzip könnte unser heutiger Staatshaushalt genauso wie im Goldenen Mittelalter mit einem digitalen Kerbholz finanziert werden. Sämtliche Steuern, die Staatsverschuldung und alle Finanzmärkte wären somit vollkommen überflüssig! Fast alle Staatsbediensteten und alle Beschäftigten in der Geldindustrie könnten somit einer volkswirtschaftlich sinnvollen Beschäftigung zugeführt werden, ganz nach dem Motto: Stasi in die Produktion!
Seit der Immobilienkrise in den USA ist jederzeit mit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte zu rechnen. Zwar werden die Notenbanken mit Sicherheit die Situation noch eine ganze Weile beherrschen, Fakt ist aber, dass am 1. Oktober 2007, als die gekündigten Fonds ausbezahlt wurden, die so genannte Geldmenge stark angestiegen ist. Das FED gibt zwar seit geraumer Zeit keine Zahlenangaben mehr heraus, aber der letzte Chef Greenspan hat bereits deutlich vor einem drastischen Anstieg der Inflation gewarnt.
Die EZB versucht es mit einem anderen Trick: Sie verpflichtet die nationalen Notenbanken, stets eine Inflationsrate von unter 2 % zu melden, und die Statistiken dementsprechend anzupassen oder zu fälschen. Der Fachmann lässt hier die Rohdaten kalibrieren, der Bürger merkt das z.B. daran, dass ein Schnitzel, das früher 16,90 DM gekostet hat, heute für 10,50 Euro zu haben ist. Benzin ist so teuer wie nie zuvor, Lebensmittel werden folgen, die Branche bereitet sich auf massive Preisschocks vor, wie sie in den Siebzigern üblich waren. Nur geht es diesmal ans Eingemachte: Die ersten Banken werden bald ihre Schalter für immer schließen, es fragt sich nur, welche den Anfang macht.
Das ist allerdings keine echte Katastrophe, sondern im Gegenteil: Der Crash bietet die einmalige Chance, sämtliche Altschulden mit dem digitalen Kerbholz aus der Welt zu schaffen, ohne dass die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten müssten. Banker sind naturgemäß sehr konservative Leute, die nur ungern mit etwas Neuem experimentieren. Deshalb werden sie aufgefordert, in Gedanken eine Liquiditätskrise durchzuspielen und dabei zu begreifen, wie eine solche mit bereits bekannten, alltäglichen Instrumenten gelöst werden kann.
Wenn das alle begriffen haben, können wir die Geldbeträge, die früher auf ein Kerbholz geschrieben wurden, direkt in den Computer eingeben und verrechnen. Es spielt substanziell keine Rolle, wie groß die Zahlen sind, die auf einer Festplatte gespeichert sind. Es wird also keinen Börsencrash geben, sondern im Gegenteil: Der ganze Zirkus wird friedlich eingestellt, alle Schuldner zahlen ihre Schulden zurück mit Geld aus der Luft. Das Recht auf Geldschöpfung wird dem Bürger zurückgegeben, genau so wie sie früher ihre Schuldverhältnisse problemlos auf einem Kerbholz geregelt haben.
Die Bankkunden mit schlechter Schufa-Auskunft reichen jetzt für jede unbezahlte Rechnung und für jeden nicht mehr bedienten Kredit ganz einfach einen Überweisungsauftrag bei ihrer Bank ein. Die Bank verbucht diesen auf einem neuen, zinsfreien Komplementärkonto, dessen Negativsaldo nach unten unbegrenzt ist. Die entsprechenden Zahlungseingänge werden bei den Gläubigern ganz normal auf dem Girokonto gutgeschrieben.
Auf diese Weise verfügen die Gläubiger anschließend über Guthaben, die sie eigentlich schon abgeschrieben hatten. Die Schuldner hingegen stehen weiterhin im Minus, aber nicht mehr auf einem normalen Bankkonto. Sie werden deshalb wieder liquide und können ab sofort am normalen Wirtschaftsleben teilnehmen. Anschließend werden sämtliche Schufa-Akten vernichtet, alle Schuldner zelebrieren so ihre finanzielle Wiederauferstehung. Auf diese Weise endet die Krise, bevor sie richtig begonnen hat.
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