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Kanzlerdämmerung

Letzte Aktualisierung: 19.03.2010

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Bimbes, Bonzen und Bomben

Interview mit Michael Köhne, Teil I

Herr Köhne, in den Neunzigern sind Sie als „Professorenschreck“ in der internationalen Presse bekannt geworden. Wir haben uns erkundigt, dass Sie Ihr Examen aber gerade mit der Note 3,3 (schwach befriedigend) geschafft haben. Wie kann man denn mit einer so bescheidenen Examensnote ausgewachsene Universitätsprofessoren erschrecken?

Köhne: Ich hatte damals eine Marktlücke erkannt, der Bedarf nach qualifiziertem Privatunterricht für BWL-Studenten, weil die arroganten VWL-Professoren nicht in der Lage waren, ihren Stoff verständlich zu erklären.

Das gibt es doch auch bei den Juristen, fast alle Studenten besuchen doch private Repetitorien…

Köhne: …die aber von unterbeschäftigten Richtern und Anwälten angeboten werden. Ich habe aber trotz meiner durchschnittlichen Gesamtnote die Frechheit besessen, mit meiner überragenden Kompetenz und Erfahrung auf meinem Fachgebiet zu werben, was offenbar sehr gut am Markt angekommen ist.

Aber wie ist denn die Presse auf Sie aufmerksam geworden? Der Spiegel vom 11.07.94
International Herald Tribune vom 29.08.94

Köhne: Ich hatte damals meine Doktorarbeit als populäres Sachbuch veröffentlicht, und sämtlichen „Wirtschaftsweisen“ totale Unfähigkeit vorgeworfen, weil sie offenbar die Grundlagen der Exponentialrechnung nicht kapiert haben bzw. nicht kapieren wollen.

Sie haben damals den Mund sehr voll genommen, hatten Sie denn keine Angst, dass der Schuss auch nach hinten losgehen könnte?

Köhne: Nein, das konnte er nicht. Ich hatte die neueste Version von Excel zur Hand, mit der man erstmals dreidimensionale Grafiken von anspruchsvollen mathematischen Funktionen darstellen konnte. Das, was man vor mir nur mit großem algebraischen Aufwand erahnen konnte, hatte ich schwarz auf weiß ausgedruckt vor mir liegen.

Wenn das wirklich ein so sensationelles Ergebnis war, warum haben Sie denn damit keine wissenschaftliche Karriere gemacht?

Köhne: Mein Doktorvater hatte mir klipp und klar zu verstehen gegeben, dass er mit mathematischen Formeln nichts anfangen kann, obwohl er mir vorher regelmäßig Gutachten zur Vorlage bei der Friedrich-Naumann-Stiftung ausgestellt hat, die meine Arbeit drei Jahre lang mit einem Stipendium finanziert hat. Was ich damals nicht wusste, ist die Tatsache, dass der Sinn und Zweck des gesamten Steuersystems nicht darin besteht, ausgleichende Gerechtigkeit zu schaffen, sondern durch künstliche Verknappung des Geldes durch Zinsen und Steuern das ganze Elend erst zu erzeugen. Davon will die etablierte Wissenschaft allerdings nichts wissen.

Einen Doktortitel haben Sie also nicht bekommen?

Köhne Das habe ich doch gar nicht nötig, googeln Sie doch einfach mal nach Professoren-Schreck, egal ob mit oder ohne Bindestrich. Außerdem haben mir nach Erscheinen des Spiegel-Artikel drei Professoren eine Promotionsmöglichkeit angeboten, aber auf irgendwelche akademischen Tittel bin ich seit dem überhaupt nicht mehr scharf.

Immerhin ist Ihr Buch Der unsichtbare Strick in der zweiten Auflage aber im Fischer-Taschenbuchverlag unter der Leitung von Professor Rürup erschienen. Damit haben Sie doch ein durchaus respektables Renommé erzielt.

Köhne: Und 10.000 DM Honorarvorschuss kassiert. Aber dann habe ich den Fehler gemacht, zwei Exemplare an Angela Merkel und Oskar Lafontaine zu schicken – nicht weil ich diese besonders hoch schätzen würde, sondern weil diese als studierte Diplomphysiker doch wenigstens in der Lage sein müssten, meine mathematischen Darstellungen zu verstehen. Anschließend wurde das Buch still und heimlich vom Markt genommen, die Reihe Wirtschaft im Fischer-Taschenbuchverlag eingestellt und die Zusammenarbeit mit Professor Rürup beendet. Ruft man heute im Verlag an, so kann sich kein Mensch mehr an dieses Buch ISBN 3-596-12816-1 erinnern. So funktionieren die Gedächtnislöcher von George Orwell.

Anschließend haben Sie bei der Deutschen Bundesbank mächtig Staub aufgewirbelt. Die WELT brachte eine Buchbesprechung über Sie unter Überschrift: Die Bundesbank weiß nicht was Geld ist! DIE WELT vom 17.11.97

Köhne: Zu meinen Lesern gehörte damals der Privatbankier Johann Phillipp von Bethmann, der Anfang der Achtziger seine Bank verkauft hat, weil er die heutige Finanzkrise damals schon kommen sah. Er wurde von der Finanzelite nicht richtig verstanden, weil er deren hochgeschraubtes Fachchinesisch nicht beherrschte. Ich habe aber seine Zinskatastrophe in moderne Fachterminologie übersetzt und habe mit diesem Sensationsartikel in der Finanzwelt eingeschlagen wie eine Atombombe.

Was ist denn das Sensationelle an Ihrer bzw. Bethmanns Geldtheorie?

Köhne: Dass man eine Geldforderung an eine Bank nicht sinnvoll von einer Geldforderung gegenüber dem Finanzamt oder an eine Privatfirma abgrenzen kann. Damit stürzt die gesamte traditionelle, monetaristische Geldmengenlehre in sich zusammen wie die Türme des World Trade Centers.

Diesen Vergleich konnten Sie damals (1997) aber noch nicht ziehen, trotzdem findet man auf dem Cover Ihres Buches Das Unendliche Zittern – wie der Kapitalismus wirklich funktioniert= schon eine Verfremdung der Skyline von New York mit 3 WTC Türmen! Ist das Zufall?

Lesen Sie weiter in Teil II des Interviews…

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