Nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern vor allen Dingen der Kapitalmarkt muss sofort grundlegend reformiert werden, um den Aufschwung-Ost zu finanzieren. Diese Reform müsste auch nicht erst umständlich mit den EU- und NATO-Staaten abgestimmt werden, sondern kann sofort von Deutschland im Alleingang organisiert werden. In Sachsen stehen schließlich die Flutopfer völlig mittellos auf der Straße und benötigen so schnell wie möglich Hilfe. Nur wird heute noch völlig überflüssigerweise darüber diskutiert, was das kostet und wer das alles bezahlen soll. Diese Frage beantwortet sich nämlich im Internetzeitalter von selbst:
Jeder bezahlt seinen eigenen Schaden im Laufe seines Lebens selbst und bekommt dafür von der Allgemeinheit im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit genügend Kredit!
Organisiert wird das alles als Sonderprogramm Aufschwung Ost, zweiter Anlauf. Weil für dieses gigantische Vorhaben aber nicht mehr genug Geld vorhanden ist, müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir dieses Wirtschaftswunder ohne Geld organisieren. Weil heute fast alle Flutopfer ein Handy besitzen und auch noch einen Festnetzanschluss angemeldet haben, dürfte das nicht all zu schwierig werden:
Zunächst werden in ausgewählten Baumärkten und Lebensmittelgeschäften die Kassen umgerüstet, so dass man dort mit dem Handy per SMS bezahlen kann. Die Mobilfunkanbieter berechnen für diesen Service eine geringe Umsatzprovision, verzichten aber auf eine feste Verzinsung negativer Kontostände. Weil die Salden auf einer Telefonrechnung nicht zur offiziellen Geldmenge zählen, werden die gesetzlichen Vorschriften für das Kreditwesen, die noch aus der digitalen Steinzeit stammen, jetzt irrelevant. Somit können alle Geschäftskonten im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Erfordernis überzogen werden, ohne dass dafür eine bankübliche Sicherheit gestellt werden muss und ohne dass dafür feste Zinsen berechnet werden. Das was auf Anhieb wie Hexerei aussieht, funktioniert heute im Mobilfunkzeitalter tatsächlich, so dass demnächst kein Mensch mehr ein Bankkonto benötigt. Wie das im Einzelnen funktioniert, wird anhand folgender Beispiele erläutert:
Regina Zindler aus Sachsen wohnte bislang in einem halben Zweifamilienhaus, das bei der Flut bis auf die Grundmauern niedergerissen wurde. Nicht einmal der berühmte Maschendrahtzaun und die Knallerbsensträucher sind stehen geblieben. Nachdem sie eine Bleibe in einer provisorischen Unterkunft gefunden hat, gründet sie die erste deutsche Ich-Agentur, was im Prinzip nichts anderes als eine Ein-Mann-Aktiengesellschaft ist. (Das Wort des Jahres “Ich-AG” gab es damals noch nicht.) Aus ihrem Geschäftsplan geht der Finanzbedarf für den Wiederaufbau ihres Wohnhauses und ihres Geschäftsbetriebes hervor. Für die Baukosten eines neuen Einfamilienhauses werden 500 000 Euro veranschlagt und für die Wiederaufnahme der Produktion von Maschendrahtzäunen weitere 2 Millionen Euro. Dieses “Geld” wird nicht in Form von Bankkrediten bereitgestellt, sondern sie bekommt von ihrem Internet-Anbieter, dem Job-Center bzw. dem ehemaligen Arbeitsamt, einen entsprechenden Überziehungskredit eingeräumt. Im Gegenzug erhält das Job-Center ein Aktienpaket im Wert von 2,5 Mio Euro der Zindler Maschendraht AG gutgeschrieben.
Frau Zindler kann nun mit einer Kreditkarte vom sächsischen Job-Center in allen teilnehmenden Baumärkten und Lebensmittelgeschäften bargeldlos einkaufen. Alle Lastschriften werden zinsfrei verbucht, aber nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag, sondern aus ihrem Geschäftsplan geht hervor, wann ungefähr mit finanziellen Rückflüssen zu rechnen ist. Auf diese Weise wird ihr Konto im Rahmen ihrer Lebenszeit irgendwann wieder ausgeglichen. Wenn Frau Zindler ihren Laden wieder in Gang bekommen hat, erwirtschaftet sie regelmäßige Einnahmen, aus denen sie eine monatliche Miete an sich selbst bzw. an ihre eigene Aktiengesellschaft zahlt, solange, bis ihr Konto wieder ausgeglichen ist. Nur im Fall Höherer Gewalt wird die (kostenlose) Konkursversicherung in Anspruch genommen. Ihr Konto wird dann einfach gelöscht, ohne dass irgendjemand anders dabei einen finanziellen Schaden zu erleiden hätte. Der Baumarkt, bei dem Frau Zindler einkauft, erwirtschaftet kaum noch Umsätze auf Bankkonten oder in Bargeld. Fast alle Kunden bezahlen mit dem Handy oder lassen sich eine Lastschrift von ihrer Stromrechnung oder Telefonrechnung abbuchen. Für den Baumarkt ist es gleichgültig, ob er seine Einnahmen auf der Telefonrechnung oder auf einem Bankkonto verbucht. Wenn der Baumarkt liquide ist, kann er sein Guthaben auf der Telefonrechnung auf ein Bankkonto überweisen und sich dort entsprechend den üblichen Regeln in Bar auszahlen lassen. Wenn Frau Zindler mit ihrem Handy im Baumarkt einkauft, so geschieht dabei finanztechnisch folgendes:
Frau Zindler kauft eine Bohrmaschine im Wert von 98 Euro und erhält dementsprechend eine Lastschrift. Der Baumarkt erhält eine Gutschrift in gleicher Höhe auf seiner Telefonrechnung. Mit dieser Transaktion entsteht ein Guthaben und eine gleich hohe Lastschrift. Unter dem Strich wird durch diese Aktion kein zusätzliches Geld erzeugt, das die Inflation anheizen könnte. Das sind die einfachen Fakten, die jeder Mensch mit seinem normalen Menschenverstand ohne weiteres nachvollziehen kann. Nur die sogenannten “Finanzexperten”, deren Verstand durch ihr Studium oder durch ihre berufliche Tätigkeit total vernebelt ist, müssen die folgenden Belehrungen über sich ergehen lassen:
In der perfekten digitalen Marktwirtschaft entsteht das Geld spontan beim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Es ist nie zu wenig oder zu viel Geld da, sondern immer genug. Es kann demzufolge keine Inflation geben. Eine zentrale Notenbank ist in einer perfekten digitalen Marktwirtschaft überflüssig. Aber weil sich die meisten Menschen eine Geldwirtschaft ohne Notenbank nicht vorstellen können, müssen wir hier erläutern, welche Rolle die Notenbank in der bisherigen, unvollkommenen Marktwirtschaft gespielt hat und wie das damals unverzichtbare Notenbankenmonopol von der internationalen Finanzmafia missbraucht wurde: Die Aufgabe der Notenbank besteht darin, die Wirtschaft mit der “richtigen Geldmenge” zu versorgen und den Wert bzw. die Kaufkraft des Geldes sicherzustellen. Das theoretische Grundgerüst der monetaristischen Geldmengentheorie funktioniert folgendermaßen: Angenommen eine Volkswirtschaft erwirtschaftet einen jährlichen Bruttoumsatz von 1000 Billionen Euro. (Fachausdruck: Transaktionsvolumen, das ist immer ein Vielfaches des Bruttoinlandsproduktes). Wenn die durchschnittliche Kreislaufgeschwindigkeit des Geldes 100 000 beträgt, also jedes Geldstück pro Jahr 100 000 mal den Besitzer wechselt, so benötigt man zur Finanzierung dieser Modellwirtschaft eine Geldmenge von 10 Milliarden Euro. Wenn nun die Kreislaufgeschwindigkeit des Geldes konstant bleibt, und davon kann man kurzfristig ausgehen, so kann eine Geldmengenerhöhung folgendes bewirken: Entweder das Umsatzvolumen bleibt konstant, dann steigt jetzt proportional mit der Geldmenge das Preisniveau, es gibt Inflation. Oder das Umsatzvolumen bleibt eben nicht konstant, sondern das zusätzliche Geld führt dazu, dass jetzt Dinge gekauft werden, die sonst liegen geblieben wären. Es kommt also entscheidend darauf an, wie das Geld in Umlauf gebracht wird, und darauf, ob es noch Waren zu kaufen gibt, die sonst liegengeblieben wären. Was passiert nun, wenn in einem reichen Industrieland mit vollen Supermärkten eine Hochwasserkatastrophe bislang unvorstellbare Schäden angerichtet hat? Die Antwort klingt vielleicht makaber, so traurig die menschliche Katastrophe auch ist, aber insgesamt betrachtet entsteht dabei überhaupt kein finanzieller Schaden, wenn die Notenbank ihren sturen Dogmatismus aufgibt und dafür sorgt, dass die Geldmenge parallel mit dem Umsatzvolumen wächst. Noch mal anders ausgedrückt, damit es auch der letzte Monetarist endlich begreift:
Das viele Baumaterial, das jetzt verkauft werden kann und die vielen Arbeitskräfte, die jetzt theoretisch eingestellt werden könnten, sind doch nichts anderes als der lang erwartete Aufschwung Ost. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist genügend Geld, um Angebot und Nachfrage zusammen zu führen. Und dieses Geld muss nicht mühsam von der Bevölkerung oder vom Staat zusammengekratzt werden, um es in den Notgebieten auszugeben, sondern dieses Geld muss von den Banken genau so spontan geschöpft werden wie das Hochwasser über uns gekommen ist. Weil die Beamten bei der Europäischen Zentralbank aber höchstwahrscheinlich nicht in der Lage sind, dieses wissenschaftliche Neuland zu erschließen und dementsprechend umzusetzen, haben wir von dort keine Hilfe zu erwarten. Der Aufschwung Ost wird nur kommen, wenn wir ihn ohne herkömmliches Geld finanzieren.
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